Der geschichtliche Hintergrund

In den frühen Zeiten der Mensch/ Hundbeziehung selektierten sich nur die Individuen zum Nutzen der Menschen heraus, die ihn als dominantes Rudelmitglied bzw. als Rudelführer akzeptierten. Nur so waren die Menschen in der Lage, die natürlichen Triebveranlagungen (Jagdtrieb, Meutetrieb) für ihre Bedürfnisse zu nutzen.
Kein Jagd-, Hüte- und Meutehund könnte seine "Arbeit" verrichten, wenn er nicht eine ausgeprägte Unterordnungsbereitschaft hätte. Genau aus diesem Grund ist der Hund in der Lage, sich in ein Menschenrudel zu integrieren.
Seine große Anpassungsfähigkeit und seine innere Veranlagung in einem strukturiertem Rudel zu leben, machen ihn als Familienmitglied für viele Menschen zum geeigneten Haustier.

Die unerfüllte Sehnsucht

Die erste "Begegnung" zwischen einem Menschen und einem Hund kann vielerlei Gründe haben. Oft suchen Eltern in ihm einen Spielgefährten für ihre Kinder. Andere die eigentlich gar nicht die Absicht haben, einen Hund zu kaufen, lassen sich oft vom Anblick eines süßen Hundebabys erweichen. (Wir persönlich halten solche Anschaffungsgründe für fraglich, ein Hund kann immerhin 10 bis 16 Jahre alt werden, also sollte darauf keine leichte Entscheidung folgen... Nur wer sich nämlich vorher gründlich mit dem Gedanken auseinandersetzt, ermöglicht beiden Seiten auf Dauer ein schönes Leben.)
Aber ist es wirklich so einfach zu erklären, warum ein Mensch einen Hund in sein Haus nimmt? Spielt nicht vielleicht auch Unbewusstes eine große Rolle? Der Mensch des 20. Jahrhunderts, eingegliedert in ein entfremdendes Gesellschaftssystem und verloren in der Masse, findet sich trotz des ständig dichteren Informations- und Kommunikationsnetzes der Massenmedien immer mehr isoliert, so könnte man meinen. Selbst der uralte Familiensinn scheint allmählich verlorenzugehen. Andererseits hat jeder Mensch das Bedürfnis, sein Gefühlspotential auf irgend jemanden oder irgend etwas zu fixieren. Die ständige Verfügbarkeit des Hundes, seine Treue und seine extreme Lernbereitschaft machen ihn zu einem Gefährten, dem der Mensch seine Zuneigung schenken kann.

Schön und gut, aber...

...leider kümmert sich der Mensch, sei es aus Egoismus oder aus Unwissenheit, meist zu wenig um die artgerechten Bedürfnisse des Hundes. Er ist oft der Überzeugung, dass eine gute Bleibe und eine reichhaltige Nahrung genügen, um alle Wünsche seines Vierbeiners zu befriedigen. Allerdings sind diese nicht die einzigsten relevanten Faktoren einer richtigen Hundehaltung:
Neben satt und warm sind natürlich die individuellen Triebanlagen als auch der natürliche Bewegungsdrang eines Hundes zu berücksichtigen. Jeder Hundehalter sollte sich mit dem Wesen seines Hundes auseinandersetzen um ihm möglichst eine Umwelt zu bieten, die seinen Bedürfnissen entspricht. Zum Bsp. einen lauffreudigen Hund nur an der Leine spazieren zu führen würde seinen Anlagen nicht gerecht werden. Lange Radtouren, joggen oder Zugtraining können hier wahre Wunder wirken um Ersatzhandlungen wie zum Bsp. gesteigerte Aggressivität nach Außen oder nach Innen (Selbstzerstörung, Aufbeißen, Aufkratzen, Schleckekzeme) zu verhindern.
Immer führen nicht genügend ausgelebte Triebanlagen zu Konflikten.
Wenn die natürlichen Triebanlagen eines Hundes aufgrund der Umwelt, in der er lebt, nicht befriedigt werden können, ist es Aufgabe des Halters, sie anderweitig zu kanalisieren.
Zum Bsp. der Jagdtrieb: Natürlich kann ein Hund diesen Trieb in unserer heutigen Gesellschaft nicht ausleben. Es sei denn, er wird jagdlich geführt. Um so wichtiger ist es, diesen Trieb durch Beute- und Fangspiele mit einem Spielzeug (Ball, Frisby, Seilknochen, etc.) zu ersetzen.
Die langläufige Meinung einer zunehmend größer werdenden Zahl von Hundehaltern, einmal am Tag eine Hundespielwiese aufzusuchen, um dort seinen Hund sich selbst zu überlassen, hat leider den Nachteil, dass der Hund lernt, dass es mit Seinesgleichen am schönsten ist und der Mensch zum Dosenöffner degradiert wird. Die meisten Hunde, die so etwas vom Welpenalter an lernen, haben meistens zu ihrem menschlichen Rudelmitglied keine intensive Bindung mehr. Oft wird es dann zum Problem, wenn, der aus dem Welpenalter herauswachsende Hund, durch seine Entwicklung zum erwachsenen Tier, sich innerlich vom Menschen löst und die sich daraus resultierenden Probleme (allgemeiner Ungehorsam oder sogar Dominanzprobleme) störend auswirken. Will man dann so einem Hund etwas beibringen, Gehorsam oder Spiel, zeigt er meistens keine große Aufmerksamkeit mehr, da sein Herrchen oder Frauchen es versäumt haben, eine führende Rolle in der Rangordnung zu übernehmen.
Jeder Hundehalter, oder die, die es werden wollen, sollten sich vorher darüber im Klaren sein, was sie von einem Hund als Familienmitglied erwarten.

Nur dann, wenn die individuellen Ansprüche eines Menschen an seinen Hund und die inneren Veranlagungen des Tieres weitgehenst übereinstimmen, steht einem harmonischen Miteinander nichts mehr im Wege.

(c)
Kerstin & Petra Gripentrog
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