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Abstammung und Geschichte

Anders als beim Pferd, dessen vorgeschichtliche Entwicklung durch archäologische Funde gut belegt ist, gibt uns die Evolution des Hundes noch so manches Rätsel auf. Wir kennen bisher kein einziges Fossil, das als Bindeglied der Entwicklungskette den Hund und seine wild lebenden Verwandten mit ihren urzeitlichen Vorfahren zusammenschließen könnte. Ohne Frage handelt es sich beim Hund um eine Weiterentwicklung hundeartiger Fleischfresser (Karnivoren). Trotz mancher Einwände kann man heute eigentlich nicht mehr darüber streiten, dass nur der Wolf als alleiniger Ahnherr des Haushundes in Betracht kommt.

Wo und wann die Haustierwerdung vor sich ging, bleibt der Spekulation überlassen. Möglicherweise kommt der Mittlere Osten als jener Raum in Frage, in dem der Mensch die ersten tastenden Versuche unternahm, den Wolf zu zähmen. Wie lange das her ist, lässt sich auf einige Tausend Jahre genau nicht bestimmen. Es kommt dafür die Altsteinzeit, vor etwa 15 000 – 10 000 Jahren, in Frage. Etwas zuverlässiger sind gewisse archäologische Funde darüber, dass Menschen in der Jungsteinzeit nach Europa vordrangen und Haushunde mitbrachten.

Warum die Beziehung zwischen Mensch und Hund so eng werden konnte, ist schon leichter zu beantworten. Ebenso ergeben sich Anhaltspunkte dafür, wie diese Partnerschaft – als Zweckgemeinschaft zweier zusammenarbeitender Individuen – begann. Nahezu alle Tiere, die sich für die Domestikation durch den Menschen eignen, leben in sozialer Bindung – hauptsächlich in kleineren Gruppen artgleicher Mitglieder. In jeder dieser Gruppen ist ein Führer zu finden und unter ihm eine Rangordnung jüngerer oder schwächerer Tiere. Innerhalb der Gruppe besteht ein gewisses Maß an Zusammenarbeit – wohl auch die Aberkennung sozialer Pflichten, die eine Meute in die Lage versetzt, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Auf diese Weise kann ein Raubtierrudel Lebewesen erbeuten, die größer und stärker sind als sie selbst. Einzelne Rudeltiere können abwechselnd der Spur folgen und damit die Gefahr, dass die Spur verloren geht, verringern. Beim Überwältigen und Töten des Opfers arbeitet dann die ganze Meute zusammen. Solches Teamwork setzt voraus, dass die jüngeren Mitglieder erziehbar und fähig zum Gehorsam sind. Auch sind die meisten Rudeltiere reviertreu. Sie besitzen einen Instinkt für gemeinsame Interessen (Besitz) und den Schutz eines angestammten Gebiets.

Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit auf ein bestimmtes Ziel hin, die Unterordnung eines schwächeren Individuums unter einem Stärkeren und die Vorstellung von Besitz sind Grundideen, die von Mensch und Hund geteilt werden; sie bilden die Basis für ihre Beziehungen. Es ist denkbar, dass einst bestimmte Stämme und Wildhundrudel über weite, schwer abgrenzbare Gebiete hinweg dasselbe Wild jagten. Da die Menschen einen höheren Intelligenzgrad erreicht und Waffen zu benutzen gelernt hatten, waren sie darin wohl erfolgreicher. Das lockte die Hunde zu den Lagerplätzen, wo sie die Überreste der Beute verzehrten. Hier durften sie dann als eine Art „Frühwarnsystem“ in Aktion getreten sein, indem sie ihre zunächst vielleicht sogar ungehaltenen „unfreiwilligen“ Gastgeber auf das Nahen starker Raubtiere, die der Mensch fürchtete, ebenso aufmerksam machten, wie auf Jagdwild, das der Stamm gar nicht bemerkt hatte. Wir können nicht wissen, ob auf der Pirsch zuerst der Mann dem Hund oder der Hund dem Mann folgte; jedenfalls muss sich die Zusammenarbeit zwischen ihnen bei solchen Streifzügen entwickelt haben.

Vielleicht hat man später Welpen mit ins Lager genommen und sie aufgezogen. Immerhin waren sie nützlich als „lebende Wärmflaschen“ für kühle Nächte, als Spielkameraden für die Kinder und fraglos auch als Nahrungsvorrat für schlechte Zeiten (...) Diese Tiere konnten die Furcht des Menschen verringern helfen; sie erwiesen sich als zuverlässige Jagdpartner. Dies alles gab Anstöße zu der langwierigen Domestikation.